Diners Club Mobile App auf Zoel Amberg Card erweitert

posted by Marcel Hegetschweiler on Tuesday, 31. July 2012

                  Den Sieger erkennt man am Start

Racerfish im Gespräch mit dem Autorennfahrer Zoel Amberg

Wir haben für den internen Gebrauch des Diners Club Sales Team eine Kreditkartenantrag-App für das iPad entwickelt. Damit kann ein Kartenantrag direkt über das iPad beantragt werden. Diese App wurde nun auf die Diners Club Zoel Amberg Card erweitert. Zoel Amberg gilt zurzeit als das Nachwuchstalent im Schweizer Autorennsport. Wir trafen uns mit dem 19-jährigen Autorennfahrer, der zurzeit in der Renault World Series 3.5 seine Runden dreht. Hier das Gespräch mit Amberg über schnelle Kurven, millionenschwere Simulatoren, brenzlige Situationen auf der Rennstrecke und seinen Traum die Formel 1.

 Zoel, du bist soeben auf dem Moscow Raceway die fünfte Runde der World Series 3.5 gefahren, wie ist es dir gelaufen?

Grundsätzlich wäre es eigentlich gut gelaufen. Nur hatte ich leider wieder einmal ein paar kleinere technische Defekte. Beim ersten Rennen hatte ich mit den Bremsen ein Problem – die haben nach links gezogen. So bin ich auf dem zehnten Platz gelandet. Zudemist mir noch einer hinten reingefahren und es hat mich gedreht. Somit bin ich dann schlussendlich auf dem fünfzehnten Platz gelandet. Das war ärgerlich, weil ich es in die Punktränge geschafft hätte. Beim zweiten Rennen wäre es eigentlich noch besser gelaufen. Da war ich an neunter Stelle. Wir hatten eine geschickte Strategie gewählt und machten den Boxenstopp gleich nach der Safety-Car-Phase. Dann ist mir jedoch der zweite Gang gebrochen und ich musste alle Zwei-Gang-Kurven – also Kurven, die man im zweiten Gang fahren muss – mit dem dritten Gang fahren. Dadurch bin ich dann auf den dreizehnten Platz zurückgefallen und es hat wieder für keine Punkte gereicht. Das war sehr schade.

Das Rennen war der erste Internationale Motorsportanlass in Russland, was hattest du für einen Eindruck vom Anlass?

Es war vielesanders als sonst - die Leute, aber auch die Strecke. Die Verantwortlichen und ihre Teamshaben Tag und Nacht gearbeitet, dass sie mit der Strecke auf den Event hin noch fertig werden. Alle haben sich extrem Mühe gegeben, und es ist ja auch nicht ganz einfach einen solchen Anlass zum ersten Mal auf die Beine zu stellen. Schlussendlich hatte es – für das, dass dies der erste Event auf dem Moskau Raceway war - relativ viele Zuschauer.

Inwiefern waren die Leute ganz anders?

Bei der Autogrammstunde zum Beispiel herrschte ein Riesenandrang und weil die Fans derartauf die russischen Fahrer zugestürmt sind, brachen sogar die Tische zusammen. Das war schon unüblich.

Aber bei Dir brach der Tisch nicht zusammen?

Nein. Nein. (Gelächter) Es war nahe dran, aber er ist noch nicht gebrochen (Gelächter).

Ich nehme an, dass du wahrscheinlich am liebsten jetzt schon in der Formel 1 fahren würdest. Hast Du noch andere Ziele oder Pläne im Rennsport für die du vielleicht sogar den Plan Formel 1 aufgeben würdest?

Also ich will jetzt ausschliesslich auf die Formel 1 hinarbeiten, ohne mich momentan mit Alternativen auseinanderzusetzen. Dort will ich es hinschaffen und dafür habe ich einen strikten Fahrplan mit meinem Team ausgearbeitet. Aber natürlich gibt es noch viele andere interessante Rennserien wie zum Beispiel die deutsche Tourenwagenmeisterschaft, die natürlich auchsehr attraktiv ist - insbesondere jetzt, da BMW zusätzlich in der Serie mitmischt.

Gibt es hierbei eine zeitliche Limite?

Es gibt sicher ein Zeitfenster. Aber es gibt auch Fahrer, die sind zum Beispiel bereits 25 und fahren auch noch in der World Series. Das Ziel ist natürlich, so schnell wie möglich weiterzugehen. Bis 25 in der World Series zu fahren, kann ich mir nicht vorstellen.

Wie muss man sich das Training eines Autorennfahrers vorstellen?

Es braucht sehr viel Training für den Nacken und für die Schnellkraft. Dabei versucht man ein Training zu praktizieren, das die Muskeln nicht allzu sehr aufbläst. Ansonsten hat man hernach keinen Platz mehr im Cockpit. Dann spielt das Gewicht auch immer eine Rolle. Da darf man nicht über eine bestimmte Limite gehen. Jeder Fahrer soll beim Rennen gleich schwer sein. Um dies zu gewährleisten bzw. egalisieren, werden auch zusätzlicheGewichte benutzt. Man trainiert also hauptsächlich Schnellkraft und viel Kondition. Konditionstraining macht man auch, damit die Konzentration im Rennen nicht nachlässt. Konkret heisst das am Morgen Laufen, Velofahren oder Krafttraining.

Benutzt du auch Simulatoren?

Ja. Ich gehe viel ins Hauptquartier des PONS-Teams nach Spanien. Dort haben sie einen eigenen Simulator, in dem ich für verschiedene Strecken trainieren kann. Monaco bin ich ja dieses Jahr zum ersten Mal gefahren. Da kann man nicht einfach hingehen und gleich fahren. Insbesondere in Monaco, wo alles so eng ist. Daher macht man auch viel Simulator-Training. Das ist natürlich nicht mit der Realität vergleichbar, aber um die Strecke kennenzulernen, die Linie zu finden und um auf der Strecke eine gewisse Konstanz zu gewinnen, ist ein Simulator schon sehr hilfreich. Letztes Jahr hatte ich auch die Möglichkeit zu McLaren nach England zu gehen und ihren Simulator dort zu benutzen. Dieser Simulator hat einen Wert von ca. 35 Millionen Franken. Er kann alle G-Kräfte simulieren und hat auch eine 3D-Visualisierung. Dies macht den Simulator unter anderem auch so teuer.

Und wie war Dein Eindruck?

Es ist beinahe wie echtes Fahren. Man schwitzt in diesem Simulator so stark, dass man die eingebauteKlimaanlage als Pilot sehr schätzt. Man hat ja keinen Fahrtwind, da sich der Simulator nicht bewegt. Aber nur schon das Ankommen bei McLaren war imposant:mit dem See vor dem Gebäude und alles ist auf Hochglanz poliert. Im gesamten Gebäude und darum herum ist es praktisch lupenrein sauber. Dann sitzt man in diesem Simulator mit mindestens sechs Ingenieuren im Hintergrund, die ständig alles beobachten und den Ablauf kontrollieren. Der Simulator in Spanien ist da schon etwas anderes. Um jedoch eine Strecke kennenzulernen, hilft auch dieser Simulator ungemein.

Wie sieht es bei dir mit Autorennspielen aus? Spielst Du solche Computerspiele?

Wenn man jetzt eine Strecke noch gar nicht kennt – was aber eigentlich nie der Fall ist – dann kann man bei einem Formel-1-Spiel auf der Playstation schonmal die grobe Linie anschauen...

Sogar?

Ja, ja, aber natürlich nur grob. Man muss nachher schon noch in einen Simulator, um die Feinheiten herauszufinden.

Bist du ein begeisterter Gamer und hast zu Hause alle möglichen Spiele rumliegen?

Ich habe diese Formel-1-Games natürlich schon zu Hause, um mit den Kollegen ein bisschen Formel 1 zu spielen.

Und gewinnst du immer?

Meistens, aber ich bin nicht so ein Fan von Controllern. Ich brauche schon ein Steuerrad und ich bevorzuge das reale Umfeld.

Dann haben deine Kollegen auch einmal eine Chance dich zu besiegen?

Jaja (lacht).

Warum fährst du so gerne Autorennen? Kannst du in ein paar Sätzen beschreiben, was für dich den Reiz des Rennsports ausmacht?

Natürlich zuerst einmal das Auto, die Leistung, das Umfeld, der Ton, die Gefühle und das Fahren. Dann liebe ich Motoren über alles – alles was ein Motor besitzt und noch ein bisschen läuft, ist gut. Schlussendlich bin ich seit meinen Zeiten als Kartfahrer dabei und so langsam in den Rennsport hineingewachsen.

Dann hast du auch ein Verständnis von Motoren und bastelst jeweils selbst ein bisschen herum?

Also am Rennen selbst natürlich nicht. Dort fasse ich gar nichts an.

Aber wenn jetzt der Motor des Rasenmähers kaputt ist, dann machst du ihn mal auf und schaust ihn dir an?

Jaja. Das schon. Oder früher noch am Töfli. Aber im Rennsport fasse ich nichts an. Das überlasse ich lieber den Profis, meinem Ingenieur und den Mechanikern. Die können das besser. Da möchte ich nichts falsch machen.

Liegt die Faszination im Rennsport in dieser Mischung aus vollster Konzentration, Präzision, Geschwindigkeit und der Herausforderung innerhalb von kürzester Zeit die volle Leistung abzurufen, sei dies nun beim Fahrer, beim Mechaniker oder bei sonstigen involvierten Akteuren?

Ja. In einem Qualifying hat man zum Beispiel mit neuen Reifen in der dritten Runde den Peak, dann sind die Reifen optimal warm. Dann hat man den grössten Druck, um die schnellste Runde zu fahren. In dieser einen Runde muss dann einfach alles stimmen. Dies zeigt auch Sebastian Vettel immer sehr gut bei seinen Qualifyings. Wenn er ein paar Sekunden vor der Zielflagge über die Ziellinie fährt und dann in der letzten Runde noch drei Zehntel schneller als Alonso ist. Das zeigt, wie konzentriert und präzise er in solchen Situation agiert. Man muss im Rennsport fähig sein, innerhalb von Sekunden alles abrufen zu können. Man muss total abschalten können und fähig sein, sich nur noch von dieser Kurve auf die nächste und wieder auf die nächste zu konzentrieren. Man ist dann so konzentriert, man nimmt gar nichts anderes mehr wahr. Neben der physischen Belastung ist die mentale Belastung sehr stark. Es gibt keine Erholungsphasen. Man kann sich nicht von einer Kurve auf die nächste Kurve erholen. Das geht gar nicht.

Man ist also immer dran?

Du bist kontinuierlich auf einem so hohen Niveau. Die Geschwindigkeit nimmt dir die mögliche Erholungszeit weg. Auch auf den Geraden hat man immer etwas zu tun: man muss bei der Bremskraft irgendetwas verstellen, durch das Team-Radio dem Team irgendetwas mitteilen, irgendeine Throttle Einstellung vornehmen oder sonst noch irgendetwas einstellen...

Dann müssen die Automatismen einfach ablaufen?

Genau.

Hast du auch mentales Training?

Ja. Ich habe in St. Gallen einen eigenen Mentaltrainer. Mit ihm zusammenzuarbeiten ist sehr produktivund hilft mir sehr.

Was lernst du da konkret?

Alles im Bereich der mentalen Vorbereitung: autogenes Training oder ähnliche Entspannungstechniken um „Ruhe zu bewahren“, damit ich für stressige Situationen besser vorbereitet bin. Ich lerne aber auch Sachen, die nichts mit dem mentalen Bereich zu tun haben, wie zum Beispiel das Wetter oder den Gegner zu lesen (lacht).

O.k. Und was meinst du mit „den Gegner lesen“?

Man sieht am Morgen, ob einer schnell ist oder nicht. Oder man lernt die Sprache oder das Gesicht von jemandem zu interpretieren. Man sagt ja auch: Den Sieger erkennt man am Start.

Hattest du je einen anderen Berufswunsch?

Nein. Gar nicht. Ich habe mit elf Jahren begonnen Kart zu fahren und dadurch bin ich jetzt auch fest da reingewachsen. Ich kann mir eigentlich auch gar nichts anderes vorstellen. Ich habe auch nie gross an einem Berufswunsch herumstudiert. Da war eigentlich immer nur Formel 1, Formel 1, Formel 1.

Gibt dir eine hohe Geschwindigkeit überhaupt noch einen Kick?

Also beim geradeaus Fahren eigentlich gar nicht mehr. Das ist so normal geworden, egal wie schnell ich fahre. Das ist kein Challenge mehr. Aber die Kurven schnell zu fahren, möglichst spät zu bremsen, wenn das Auto am Limit ist und sich bewegt, das ist immer noch ein Nervenkitzel. Schnell geradeaus zu fahren, das kann jeder. Aber sobald das Auto am Limit ist und anfängt sich zu bewegen, ist das natürlich komplettanders.

Schüttet dann dein Körper noch Adrenalin aus? Hast du da noch einen Kick?

Also in den Kurven, wenn das Auto am Limit ist und sich bewegt, dann gibt es schon einen Kick.

Und wie wirkt sich das bei dir aus?

Ich werde noch konzentrierter. Man spürt zum Beispiel auch, ob man auf einer guten Runde ist oder nicht. Das kann man auf ein Zehntelchen genau spüren.

Hast du mal eine brenzlige Situation erlebt, bei der du selber erschrocken bist, oder kann dich im Cockpit nichts aus der Ruhe bringen?

Es gibt schon solche Situationen. Zum Beispiel wenn es dich auf der Strecke dreht, du relativ weit vorne bist, verkehrt auf der Strecke stehst, nicht wegfahren kannst und deine Konkurrenten auf dich zukommen siehst. Dann besteht die Gefahr, dass andere Autos auf dich fahren könnten. In einer solchen Situationbist du trotz Karbon und Helm nicht wirklich geschützt und kannst verletzt werden. Während eines Rennes oder Trainings ist das die gefährlichste Situation.

Wie ein Tier, das auf dem Rücken liegt und sich nicht schützen kann...

Genau. Wie ein Käfer. Man hat zwar einen Rückwärtsgang, aber bis der mal drinnen ist, sind die anderen Fahrer schon längstens vorbei oder in dir drin oder wie auch immer.

Ich kann mir vorstellen, dass du im Cockpit ständig Risiken abwägen musst, hast du dabei irgendwelche Anhaltspunkte?

Das läuft alles automatisch. Man hat gar keine Zeit um sich Gedanken zu machen. Natürlich kann man auch mal falsch reagieren, aber dann lernt man aus diesen Fehlentscheiden.

Ich will instinktiv alle Sachen auf einen Punkt zusammentragen. Diese Zeitfenster sind durch die hohen Geschwindigkeiten extrem klein. Da muss einfach alles stimmen – da kann ich gar nicht mehr gross studieren und Risiken abwägen.

Hast du vor den Rennen irgendwelche Rituale, um dich auf ein Rennen einzustimmen?

Dehnen, Warm-Up, Jonglieren, Musik hören, mich mental vorbereiten und immer von links ins Auto einsteigen.

Interessierst du dich auch für Motorboote?

Eigentlich schon ja. Die sind cool, aber ich kenne mich nicht sogut aus mit Booten. Ich stehe mehr auf Räder. Das Element Wasser, das im Motorbootsport hinzukommt, ist einfach eine zusätzliche Dimension, die man schwer einschätzen kann. Wenn man sich auf der Unterlage Wasser befindet, ist das schon noch etwas anderes als auf Asphalt. Wenn man sich auf vier Rädern befindet und bremst, dann hat man ein Gefühl dafür, wann man stehenbleiben wird. Wenn man z.B. mit einem Boot so schnell fährt und dann kommt eine Welle, die ein bisschen grösser ist, dann kann dies auf das Boot wie Beton wirken. Man kann beim Wasser nicht richtig voraussehen. Auf der Rennstrecke sehe ich eine Bodenwelle. Die ist immer dort. Sie verschiebt sich nicht. Das ist beim Element Wasser nicht so.

Man sagt, dass viele Sportler abergläubisch sind. Wie ist das bei dir so?

Ich bin eigentlich nicht abergläubisch. Aber eben so Sachen wie von links ins Auto einsteigen, das existiert auch bei mir.

Ziehst du auch den linken Handschuh zuerst an?

Nein den Rechten (Gelächter).

Wie ist das bei dir, wenn du mal auf dem Beifahrersitz Platz nehmen musst? Bist du ein guter Beifahrer?

Schon. Ich schlafe gern nebenan. Nach einem Rennwochenende mit 120 Stundenkilometer auf der Autobahn - da schlafe ich gleich ein.

Was macht allgemein einen guten Autofahrer aus?

Wenn er sich umsichtig und tolerant im Strassenverkehr verhält und die Situation schon früh im voraus lesen kann. Wenn er schon weit voraus sieht, dass das Kind auf die Strasse rennen wird und nach den Regeln fährt und dieseeinhält.

Was ist das für ein Gefühl, wenn einem eine Kreditkarte gewidmet wird?

Es ist schon megacool, dass das mit Diners zustande gekommen ist. Irgendwie kann man es sich gar nicht richtig vorstellen, sich auf der Kreditkarte wiederzusehen. Es ist ein unübliches aber auch ein gutes Gefühl. Das kann man nicht einfach so von heute auf Morgen bewerkstelligenund dieses Privileg hat auch nicht jeder – von dem her ist es schon schmeichelnd.

Gab es schon Situationen, in denen du froh warst eine Kreditkarte dabeizuhaben?

Ja. Ich reise ja sehr viel und da brauche ich immer verschiedene Währungen. Da ist eine Kreditkarte schon sehr hilfreich.

 

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Zoel Amberg steigt immer von links in seinen Boliden ein; Photo by dutchphotoagency